
Mittlerweile ist es schon wieder 3 Tage her, das die SMS 2008 ihr standesgemäßes Ende in der Muna Afterhour Party gefunden hat. Wieder einmal war die SMS ein Festival der Überraschungen und leider auch Enttäuschungen.
Aber fangen wir erstmal langsam und doch stürmisch an. Traditionell reist unsere Festivalgemeinschaft Donnerstags an und zeltet standesgemäß auf dem “Lauten” Zeltplatz. Das hat einerseits den Vorteil das man immer mit guter Musik in einer ordentlichen Lautstärke umgegeben ist und anderseits den Nachteil das man hin und wieder zu unzumutbaren Zeiten in extremer Lautstärke vom Nachbar beschallt wird. Aber dafür hat man es am Donnerstag nicht allzuweit zu einem guten Partyzelt wo die NRG-Crew dieses Jahr für ordentlich Stimmung und eine riesige Menschenansammlung gesorgt hat.
Leider hat die SMS mit unserem Aufbau wieder so angefangen wie letztes Jahr mit einem ordentlichen Gewitter, Regen und ordentlich Wind inklusive. So hatte unser frisch erworbener Pavillon eine geschätzte Lebensdauer von 15 Minuten nach Aufstellung. Aber wir hatten noch einen zweiten… halb so schlimm also.
Der Sturm war dann auch schnell verflogen sodass man in Partystimmung kam und den Donnerstag gebührend als Einstieg in ein tolles SMS Wochenende willkommen hieß.
Nach einer sehr sehr süffigen Nacht wurde ich dann leider am nächsten Tag mit einem ordentlichen Hämatom am Hinterkopf wach was wohl an einem etwas ungestümen Sprung auf/neben unsere Festivalcouch zurück zu führen war. Glücklicherweise wars net weiter schlimm und es konnte gefeiert werden.
Am Freitag galt größtenteils der Hauptbühne unsere Aufmerksamkeit wo als erstes Lexy & K-Paul auf dem Programm standen. Die jedoch legten einen äußerst enttäuschenden Auftritt hin, bei dem man sich selbst zu sehr feierte, den eingesetzen Synthesizer etwas zu sehr strapazierte und man die Bekannten Titel fast gar nicht bzw. extrem unkenntlich gemacht spielte. Zum Glück dauerte das Ganze nur eine knappe Stunde und Simian Mobile Disco betraten die Bühne.
Das glatte Gegenteil! Zwei Gestalten die von Nebel eingehüllt an ihren Gerätschaften friemelten und dabei einen gnadenlos guten Sound aus der ansonsten eher leisen und von Tonproblemen geplagten Mainstage Anlage holten. Eine wirkliche Überraschung, die mich ohne das ich die Stücke der beiden groß kannte voll überzeugte.
Anschließend konnte ich endlich Kollektiv Turmstraße sehen, nachdem ich den Auftritt letztes Jahr in der Muna während Rock im Park leider verpasst habe, und ja… was soll ich sagen, Die sind der Hammer! Ihre sonst eher melancholisch und dubbigen Nummern fahren Live auf einem ganz Anderen Niveau und zaubern einem dieses ungewisse Freudestrahlen ins Gesicht von dem man sich nicht erklären kann wo es herkommt, eben ein klassischer Muna Moment, der dieses Festival so speziell macht. Da gibts es halt Künstler die man erwartet und einen begeistern können, dann die die es nicht tun und natürlich die die fast keiner kennt und dafür einem das Hirn wegblasen.
Nach dem Auftritt vom Kollektiv bin ich schnell noch zur Mainstage geflitzt um das Ende des Auftritts von Fettes Brot sehen zu können, die sichtlich Spaß hatten an ihrem ersten Auftritt bei der SMS hatten sowie einem sichtlich angetanem Publikum welches lautstark mitsang und sprang. Leider wurde bei diesem Auftritt auf das großartige Nordisch by Nature Potpourrie verzichtet welches beim ich beim Highfield 2006 mit viel Freude gefeiert habe.
Weiter ging es dann mit Dubfire, ein Act auf den ich mich sehr gefreut habe, da mich die Produktionen dieses Herren seit einiger Zeit in Gefangenschaft nehmen. Leider hatte es an diesem Abend irgendwie nicht so hingehaun. Das Publikum im Cocoon war ungewohnt unterkühlt und bewegungsarm und Herr Dubfire war meiner Meinung nach etwas zu sehr mit seinem Notebook und der Cocoon Clique auf der Bühne beschäftigt, als mit seinem Publikum. Also schnell raus aus dem Zelt um wieder ordentlich feiern zu können.
Moby war angesagt – der New Yorker mit seiner Remixed Show einige Erwartungen setzte und diese auch erfüllte. Zusammen mit einer gesangsstarken Frontfrau einer kleinen Band und Moby himself als Ein-Mann Unterhaltungsshow gab es alle großen Hits neu aufbereitet und interpretiert ans Volk gebracht. Leider nichts außergewöhnliches dafür aber mit viel Liebe und sehr energiegeladen. Manchmal hatte ich echt den Eindruck der kleine kahle Mann will am liebsten alle mal drücken, aber dafür müsste er ja sein Keyboard los lassen :D.
Bei einer anschließenden “Bierpause” am Zelt bin ich und mein Kumpel dann leider etwas weggedöst sodass wir von einem weiteren Sturm der aufzog geweckt wurden und wir damit beschlossen den Abend leider frühzeitig zu beenden, da es eindeutig zu windig, nass und kalt geworden war. Dafür dann aber mit ordentlich Schwung in den Samstag hinein.
Samstag Mittag hat man sich erstmal standesgemäß auf dem Festivalgelände mit Essen und ein paar Bierchen versorgt um erstmal wieder in den richtigen Trott zu kommen. Leider gab es da überall den sehr bitteren Beigeschmack von 4 € + 1 € Pfand für ein Bier im Plastebecher. Für meinen Geschmack deutlich zu teuer und in Form von Wernesgrüner auch kein echtes Partybier. Nach einer kleinen Shoppingtour (neue Mütze) ging es wieder zurück an den Zeltplatz mit naja ihr wisst schon… Vorbereitung.
Der Samstag war vom Wetter gesehen her eindeutig ein Festivaltag, schön sonnig mit ein paar Wolken, aber nicht zu warm. Optimal also.
Der erste Auftritt der besucht wurde war auch gleich eine absolute Sensation… Marbert Rocel im Muna Zelt. Ein noch relativ junger Live Act der House Elemente mit Jazz und ein wenig Chanson vermischt. Sehr tanzbar, sehr freundlich und natürlich war da wieder dieses Gefühl, was einem von der sympathischen Sängerin direkt ins Herz getragen wurde. Mit großem Applaus verabschiedet bedankte sich die musikalische Entdeckung aus Weimar beim sichtlich begeistertem Publikum und machte dem alteingesessenen aber nicht mindermüden Kay aka Ken Tamburri Platz, der mit seiner neuen Auskopplung Dreisam EP sogleich die Tanzfläche füllte und in einem fulminanten und energiegeladenen Set die Massen komplett zum Ausrasten brachte. Und ich meine richtig ausrasten. Alle haben wild getanzt, die Arme in die Luft gerissen, Jubelschreie durchstachen die Menge, und das alles über 2,5 Stunden lang. In meinen Augen auch einer der besten DJ Auftritt des Festivals die ich bisher gesehen habe.
Anschließend ein weiterer Knaller im Muna Zelt – Erobique. Ein schon etwas älterer fülliger Mann der mit seinem Keyboard und Drumcomputer den Leuten das Tanzen beibrachte und ihnen die guten alten Housezeiten zurückbrachte. Mit seinem einmaligen Gesang und seinen Tanzeinlagen war er nIcht nur der Charmeur des Abends sondern auch die Überraschung schlechthin. Denn eigentlich hat keiner gedacht als dieser Mann die Bühne betrat das das was wird. Aber nach 3 Akkorden hat keiner auch nur ansatzweise daran gedacht das Zelt zu verlassen. Nach über einer Stunde PLUS ZUGABE (hab ich bisher auch noch nicht erlebt in einem kleinen Zelt) übergab der nette Mann dann das Szepter an Harry Klein Residentin Julietta die mit ihrem sommerlichen Sound in der immer kälter werdenen Nacht die Wärme zurück brachte. Ich für meinen Teil wollte dann aber schon noch Massive Attack sehen, nicht zuletzt weil mich die Bilder im Netz von deren Bühnen Setup sehr faszinierten und ich generell stark dazu geneigt war mich wieder einmal begeistern zu lassen.
Dazu muss ich sagen, Massive Attack ist nicht jedermanns Geschmack. Es ist kaum tanzbar und streckenweise schon ein sehr politischer Auftritt gewesen, mit Einblendungen diverser politischer Leitsprüche und tagesaktueller Zeitungsüberschriften auf einer riesigen LED-Leinwand im Hintergrund. Dafür aber aber sehr emotionalisierend und fesselnd auf seine ganz eigene Art und Weise.
Leider war draußen irgendwann so kalt, das man sich schnell wieder in eines der Zelte bewegte in dem deutliche höhere Temperaturen herrschten.
So also schaute man mal beim Herrn Mathias Kaden im Freude am Tanzen Zelt vorbei und schwupp di wupp waren 3,5 Stunden vertanzt. Dieser Mann ist mittlerweile fast schon legendär mit seinem Minimal Samba Sound, welcher von polyrhytmischen lateinamerikanischen Klängen geprägt wird, und seiner Energie die er jedes Mal aufs neue in seine Darbietung steckt. Ich glaube es gibt nicht viele DJs die so wild und energisch ihre eigene Musik präsentieren ohne dabei streckenweise lächerlich zu wirken (siehe Sven Väth). Gemütlich und trabend klang dann der Samstag mit dem Krause Duo aus und die SMS neigte sich so langsam dem Ende entgegen und man freute sich über die ersten Sonnenstrahlen die wieder etwas Wärme auf der Haut spühren ließen.
Der Sonntag wurde dann weitest gehend mit “chillen” und abbauen rumgebracht sodass man gegen Nachmittag erschöpft aber doch glücklich ‘gen Heimat fahren und ins heimische Bett fallen konnte.
Abschließend kann ich sagen, die SMS hat dieses Jahr mit einem sehr abwechslungsreichen Line Up viel richtig gemacht und vor allem auch mit der Vorsorglichen Behandlung der Plätze mit Holzstreu dem angesagten Regen getrotzt. Allerdings war auch einiges nicht so toll, wie z.B. der deutliche Preisfaktor an Theken und Kassen sowie doch einigen schlimmen technischen Mängeln auf und an den Bühnen.
Die SMS 2008 ist trotzdem wieder ein Erlebnis gewesen, welches man gerne in Erinnerung behält und natürlich nächstes Jahr wieder besuchen wird :).
Sehr schöne Bilder, Videos und Interviews gibts es im Übrigen bei Sputnik, schnell mal reinschauen, lohnt sich!