01.08.2012 6

»Museumsbrauerei Schmitt, Singen« — Thüringer Brauereien III

So wie die Natur gute Weine hervorbringt,
ist es doch der Mensch, der großartige Biere braut.

Ich liebe Bier, ganz ehrlich. Heute mehr noch als vor vielleicht fünf Jahren, was wohl vor Allem daran liegt, dass ich mich in den letzten sechs Monaten damit so intensiv auseinandergesetzt habe wie noch nie zuvor. Über meine Fotoserie Thüringer Brauereien, die im Rahmen meiner Studienbewerbung entstand, habe ich euch bereits ein kleinen Einblick in das wunderbare Handwerk des Brauens geben können, angefangen bei meinem Besuch der ehemaligen Pörzbrauerei Rudolstadt und der Erlebnisbrauerei Watzdorf, doch die für mich schönste Fototour möchte ich euch gerne heute zeigen: meinen Besuch in der Museumsbrauerei Schmitt in Singen, der kleinsten Privatbrauerei Thüringens.

Es war Mitte April und ein kühler, leicht verregneter Mittag als wir aus der Bahn in Singen ausstiegen. Gut eine Woche vorher hatte ich mit Uwe, dem Braumeister, gesprochen und ihm von meinem Fotoprojekt erzählt. In seiner Stimme hörte ich wenig Begeisterung, aber es war okay für ihn als ich fragte ob ich ihm beim Brauen über die Schulter schauen und seine Brauerei während dessen fotografieren durfte. Wir wären zu zweit, mein Kumpel Oli und ich, Fotofreunde wie man so schön sagt.

Kaum als wir über die Türschwelle traten waren wir auch schon im Herzen dieser erstaunlich kleinen Brauerei, zur Rechten jede Menge altes Werkzeug, bergeweise Fässer und den Eingang zum Kesselhaus aus dem wir das Grollen eines alten Heizkessels hörten, der die Brauerei mit Hitze und Energie versorgte. Direkt vor uns der große Läuterbottich aus Holz, hinter dem man über einer schmalen Treppe bereits den Würzekocher sah. Das Herz der Brauerei. Alles hier sah und roch genauso so aus wie man es sich vor hundert Jahren vorgestellt hätte.

Uwe war nicht gerade der gesprächigste und darum führte uns sein freiwilliger Helfer Jonathan, der für eine Woche zu Besuch war, durch die Brauerei. Ein bemerkenswerter Junge, gerade einmal 16 Jahre alt, der jetzt schon weiß dass er Braumeister werden möchte und später auch noch das Diplom dazu abschließen will. Natürlich braut er bereits sein eigenes Bier, im Keller seiner Eltern. Er experimentiert mit neuseeländischem Hopfen und amerikanischen Malzsorten. Ich war zu tiefst beeindruckt.

Er schaffte es mehr als nur die übliche Wissen vom Bierbrauen zu erzählen, erklärte uns mit Begeisterung jeden einzelnen Arbeitsschritt und die kleinen Feinheiten die diese Brauerei ausmachen, die erstaunlicherweise ihre Pumpen und Rührwerke noch mit einer alten Dampfmaschine antreibt.

Als wir gerade begonnen hatten die ersten Fotos zu machen kam Uwe zu uns und meinte er bräuchte mal kurz Hilfe. Ich ging freiwillig mit ihm. Er gab mir ein paar Gummistiefel und zeigte auf den Läuterbottich, der gerade abgelassen wurde. Das verkochte Malzschrot musste raus und der Böttich gereinigt werden. Also stieg ich in den Bottich kehrte mit der Schaufel die Malzreste zusammen, die dann über eine Gewindestange rausgepumpt wurden, während Jonathan zusammen mit Uwe alles auf einen Hänger schaufelte, der später von einem Bauern als Viehfutter abgeholt wurde. Anschließend hieß es die Kupferwände mit Wasser und Lauge gründlich zu reinigen. Ein Knochenjob in der knapp 50° heißen und feuchten Luft.

Für den Sud ging es dann erstmal weiter in den Würzekocher in dem der Hopfen dazu gegeben wurde und das eigentliche Bier entsteht, nach gut eineinhalb Stunden wird das Bier dann nach oben in das Kühlschiff gepumpt, eine Station von der ich noch nie etwas gehört hatte. Das Kühlschiff ist eine riesige knapp 3000 Liter fassende Stahlwanne direkt unter dem Dach der Brauerei in dem sich das kochend heiße Bier abkühlen darf. Aufgrund der großen Temperaturdifferenz zwischen Stahlwanne und Bier kommt es dabei zu Spannungen im Metall die sich mit lauten Knallgeräuschen entladen und zusammen mit der immensen Dampfbildung ein unfassbares Spektakel erzeugen. Wenn das Bier dann abgekühlt ist läuft es schließlich wieder runter in die Gärbottiche, in denen das Bier dann ein bis zwei Wochen offen gärt und anschließend für 4 bis 6 Wochen in die großen Tanks zur Nachgärung kommt.

Für uns hieß es währenddessen Fässer schrubben und für die Abfüllung reinigen, dieses Mal durfte Oli ran. Mir brannte der Rücken und ich hatte bis dahin gerade einmal eine handvoll Fotos gemacht. Viel zu wenig. Wir würden noch einmal vorbeikommen müssen. Uwe grinste nur und meinte das hätten schon viel gesagt, wären dann aber doch nicht gekommen. Der Tag verging einfach viel zu schnell, sodass wir uns etwas hektisch verabschiedeten und dennoch die Bahn verpassten. Also kehrten wir in eine kleinen Gaststätte im Dorf ein und ließen uns zünftige Hausmannskost und Singer Bier schmecken.

Eine Woche später standen wir wieder in der Tür, Uwe freute sich, wir uns auch, nur Jonathan war leider nicht mehr da. Dieses Mal wollten wir gleich mit anpacken und uns später um die Fotos kümmern. Wir wussten ja jetzt was uns erwartet. Die Abläufe waren die selben und wir haben uns besser abwechselt. Erst hieß es Holz für den Kessel holen, anschließend Fässer schrubben, kleine Bierpause, den Bottich säubern, noch eine kleine Bierpause, dieses mal auch einen der Gärbottiche säubern, kleine Bierpause, zwischendrin immer mal mit der Kamera arbeiten und zum Schluss natürlich die Brauerei etwas aufräumen. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht und wir erhielten auch in die versteckten Winkel der Brauerei wie den Lagerkeller und die alten Gewölbe Einblick und konnten uns zum Abschluss noch ein ungefiltertes Bier vom Tank abzapfen. Göttlich, sag’ ich euch!

Alles in allem war das für mich die schönste Fototour! Die Bilder mögen vielleicht nicht so ausgereift sein wie manch Andere, dafür aber erinnern sie mich an zwei ganz besondere Tage und daran an einem richtigen Bier mitgearbeitet zu haben. Und ganz ehrlich, wenn es mit dem Designstudium nix geworden wäre, Braumeister hätte ich gerne versucht. Die Brauschürze stand mir nämlich ziemlich gut wie ich finde.

Die Bilder hier in diesem Beitrag sind natürlich diejenigen die es auch in meine Mappe geschafft haben, aber es gibt noch einige Mehr die ihr euch gerne in meinem Flickr-Set anschauen könnt: Brauerei Schmitt, Singen

Ich kann es jedem wirklich nur ans Herz legen einmal diese Brauerei zu besuchen und wenn möglich dafür gleich einen ganzen Tag einzuplanen sollte man Uwe, dem Braumeister, über die Schulter schauen wollen. Hilfe ist immer gern gesehen und ein frisches Bier als Dank habt ihr euch sicher verdient. Wenn ihr mal vorbeischauen und noch etwas zur Geschichte der Brauerei wollt schaut einfach mal auf die Seite brauerei-schmitt.de

Mit diesem dritten Teil sind wir vorerst auch am Ende dieser Reihe angelangt. Wobei ich diese Geschichte damit auf keinen Fall beenden möchte. Ich weiß es gibt noch ganz viele kleine Brauereien in Thüringen und auch darüber hinaus, die ich wirklich sehr sehr gerne einmal besichtigen und porträtieren möchte. Ich denke da auch an kleine Video-Geschichten. Aber mal schauen wie sich das entwickelt. In zwei Monaten beginnt erstmal das Studium und dann wird sich zeigen in welchem Umfang ich das hier weiterführen kann. Lust darauf hab ich definitiv.

In diesem Sinne, ganz großen Dank an alle Brauereien die ich einfach mal machen ließen und natürlich auch ein Dankeschön an Oli, der mich in Singen begleitete, mir als Modell zur Verfügung stand und mich so herrlich in Aktion ablichtete.

Bisher veröffentlicht:
»Erlebnisbrauerei Watzdorf« — Thüringer Brauereien II
»Ehemalige Pörzbrauerei Rudolstadt« — Thüringer Brauereien I

P.S. Weil es beim letzten Mal angefragt wurde, hier alle Mappen-Bilder in einem handlichen PDF: Fotoserie Thüringer Brauereien [PDF]




4 Kommentare


  1. #1

    Per

    - 01.08.2012 - 22:42 · Reply to this comment

    Ich finde die Fotos tatsächlich ausgereifter als die meisten anderen, da man irgendwie merkt, dass durch das Helfen und “In-der-Materie-Sein” die Fotos viel persönlicher und dichter dran sind. Die Distanz zum Fotografierten ist durch die Arbeit ein bisschen weniger geworden scheint mir.

    (Aber ist ja auch zuerst mal großartig, dass das er euch da gleich einspannt. Super Typ.)



  2. #2

    honki

    - 02.08.2012 - 02:37 · Reply to this comment

    @Per: Ich hätte gerne ja noch “näher” dran fotografiert, das war mir allerdings mit meiner einfachen Ausrüstung zu der Zeit noch nicht möglich. Leider. Aber ich komm gerne noch mal wieder um das zu versuchen :)

    Und Uwe ist echt super, ein echtes Original! Er kann auch jede helfende Hand in der Brauerei gebrauchen, da er das im Prinzip sonst alles allein machen müsste und Bierbrauen wollte ich eh schon immer mal :D



  3. #3

    MC Winkel

    - 02.08.2012 - 17:49 · Reply to this comment

    Ouh man, was für großartige Bilder, Honki! Klasse Projekt, unglaublich gut umgesetzt. Ich hoffe, die Jungs von der Brauerei wissen, was sie mit Dir für ein Glück hatten! Trotzdem bin ich gerade ziemlich sauer auf Dich, mein Freund: ich hab’ jetzt soooo einen Durst, verdammt! :)



  4. #4

    Malzkuh

    - 25.01.2013 - 21:55 · Reply to this comment

    Hi Mister Honk,

    that’s great Your Singen-Story, I like it but, ha ha, der Uwe hat Euch gleich die Keule in die Hand gedrückt ! :-))
    Fässer spülen und Treber schaufeln !
    Bin eigentlich nur auf die Bierpausen neidisch !
    Obwohl, die Fotostrecke finde ich super, aber, da war auch wieder ein bisschen Technik bei (Grafikprogramm ?).
    Tja, den Vorzug der Technik habe ich leider nicht denn ich bin Purist !
    Ich war mit “Kumpels” in Singen vor Ort als das ZDF die Reportage “Die kleinste Brauerei Thüringens” drehte.
    Wir wollten rein ins Bild aber leider wurde nichts draus !
    Nicht mal ein prost ! Nunja.
    Trotz dass es Wirtschaftsförderung gibt und wir alle in “Niebelungentreue” GEZ zahlen hat man Uwe Obstfelder das Video wieder entzogen. (Es war verlinkt auf seiner Internet-Site).
    Wenn Uwe manchmal etwas “gestresst” wirkt ist es einfach der “Überlebenskampf”.
    Deshalb, was soll ich sagen, Kopf hoch beim Studium !
    Mein Tiger777Mega Video ist noch drauf auf der Site.
    Leider nur mit IXUS 950 IS gedreht !
    Trotzdem, wir SINGEN-Fans halten zusammen zum Wohle der Brauerei !

    …und zum Wohle des Deutschen Bieres !

    Alles Gute Dir, ich denke Du bist auf dem richtigen Weg !

    Beste Grüße.
    U.D. Zwickau

    PS: Hier noch en Link zur ZDF-Story: Hopfem und Malz verloren ?

    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1726264/ZDFzoom%3A+Hopfen+und+Malz+verloren!#/beitrag/video/1726264/ZDFzoom-Hopfen-und-Malz-verloren!



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