20.07.2012 16

ZDF-Reportage: »Hopfen und Malz verloren«

 youtubedirekt

Deutsches Bier hat ein Problem. Es ist nicht mehr das beste Bier der Welt. Das ZDF ist dieser Aussage einmal nachgegangen hat diese sehr interessante Reportage über die Entwicklung des deutschen Bieres produziert, die sich vor allem mit der sinkenden Origininalität und Qualität des deutschen Bieres auseinandersetzt, der explodierenden amerikanischen Craftbeer-Szene und wie das deutsche Reinheitsgebot zu einem Problem geworden ist. ZDFzoom: Hopfen und Malz verloren via M***bier aus meinen Kommentaren

Und da es so hervorragend zu diesem Posting passt: Die Hausbrauereienkarte von Sven Geggus, der mithilfe von OpenStreetMap hunderte von kleinen und Privatbrauereien auf einer Karte zusammengetragen hat. via ronny




16 Kommentare


  1. #1

    Zack

    - 21.07.2012 - 14:06 · Reply to this comment

    Wo bekomme ich denn jetzt das Weltmeister Bier her?
    Das aus Kalifornieren, “German Style Pilsener”



  2. #2

    honki

    - 21.07.2012 - 15:18 · Reply to this comment

    @Zack: Das beste Germany Style Pilsener kam aus Island: Brio. Wird recht schwer das hier zu bekommen. Aber Platz zwei und drei könntest du durchaus finden. Silber: Schönramer Pils, Bronze: Baumgartner Pils. Kannst ja mal hier in die Liste schauen: http://www.worldbeercup.org/wp-content/uploads/2012/05/WBC12-Winners-List1.pdf

    Ich freu mich übrigens sehr für Saalfeld (Nachbarort), die für ihr “Ur-Saalfelder” die Bronze Medaille für das beste German-Style Märzen bekommen haben. Das ist auch wirklich gut!



  3. #3

    Zack

    - 21.07.2012 - 19:52 · Reply to this comment

    Geil, 95 Kategorien.
    Da kann wirklich jeder mal gewinne.
    Gibt es kein overall-champion?

    In der Reportage reden sie aber von einem Bier aus Amerika
    chico, Kalifornien. Das analysieren sie auch im bier Institut.

    Aber danke für den Link, das Schönramer kann ich mir holen.



  4. #4

    Bierathlet

    - 21.07.2012 - 20:25 · Reply to this comment

    Das Bier aus Chico, Kalifornien war bestimmt der Gewinner des Jahres 2011. Aber das in Deutschland zu bekommen dürfte wirklich sehr schwer sein.

    Ohne jetzt Werbung machen zu wollen, aber die Freien Brauer bieten eine Bierbox an, durch die man sich mal durchkosten könnte… http://www.die-freien-brauer.com/aktivitaeten/bierkultur-im-handel/bierbox.html

    Für die im Video genannten Hopfenpellets, Bierfärbemittel und die nach Kleber riechende Klarmacher-Chemikalie (und all das, was die uns noch ins Bier mischen) würde ich mir Deklarationen wünschen. Leider weiß wohl nur der Braumeister, was in die Biere reingemischt wird, sonst hätte man das ja per Crowd-Sourcing über http://www.lebensmittelklarheit.de o. ä. machen können.

    Alles in allem kann ich sagen, dass mir das Supermarktbier jetzt irgendwie nicht mehr schmeckt :(



  5. #5

    honki

    - 22.07.2012 - 02:43 · Reply to this comment

    @Zack: 95 Kategorien sind noch fast zu wenig, schau mal hier in diesen alten Beitrag von mir: http://www.misterhonk.de/blog/10938/the-very-many-varieties-of-beer/, da findest du mal einen sehr sehr guten Überblick über die Vielfalt der Biersorten heraus (ganz spannend, das deutsche Bierwesen ist höchstens ein Viertel von allem was es auf der Welt gibt).
    Und sag mal bescheid ob das Schönramer seinen Titel verdient hat, ich kenn es noch nicht :)

    @Bierathlet: die Bierbox ist definitiv interessant, aber ich bin kein großer Fan von solchen Überraschungsboxen, auch wenn da garantiert einige gute Sorten dabei sind, dann bestell ich mir das “gute Zeug” doch lieber beim Händler meines Vertrauens.

    Eine Deklarationspflicht für Pellets, Färbemittel und Co. fände ich super, aber solange das Reinheitsgebot vorgehalten wird, wird das wohl nie statt finden. Letzten Endes ist Hopfenextrakt und Färbebier, der “Formschinken” der Bierindustrie. Sieht so aus, schmeckt ähnlich, hat aber nichts mit dem Namensvater zu tun. Da hilft wirklich nur bewusster kaufen.



  6. #6

    DAS_STROMKOPF

    - 23.07.2012 - 10:44 · Reply to this comment

    ich hatte den bericht letztens im fernsehen gesehen, war sehr interessant. zumal mir gar nicht so richtig klar war was für ein “einheitsbrei” unsere biere abgeben. hinterher sage ich mir auch dass es keine überraschung sein sollte, aber man denkt manchmal zu wenig über so etwas nach. obwohl ich auch immer nach besonderen biersorten schaue und generell lieber weizen-, schwarz-, land- oder kellerbiere als pils trinke. aber finde mal im supermarkt etwas besonderes…
    zum glück scheint es ja bei uns auch so eine “beer is the new wine” bewegung zu geben, es wird ja generell wieder mehr darauf geachtet was in einem lebensmittel drin ist. wäre nur wirklich schön wenn das bei bier auch wirklich drauf stünde. hat jemand eine ahnung wie man vor allem herausfindet welches schwarzbier “gefärbt” ist?



  7. #7

    Bierathlet

    - 23.07.2012 - 18:40 · Reply to this comment

    Wie wäre es mit einer Mail an den Hersteller? Falls der nur schwammig Antwortet kann man es ja immer noch über http://www.lebensmittelklarheit.de versuchen, Text könnte z.B. folgender sein:

    Hallo Hersteller meines Lieblingsbieres,

    ich habe letztens eine Reportage auf ZDF gesehen, in der über verschiedene nicht-natürliche Zusätze zum Bier berichtet wurde.

    http://www.youtube.com/watch?v=Tpt6kUec3_8
    Hopfen und Malz verloren – GERMAN – DOKU – HDTV

    Werden die im Beitrag genannten Hopfenpellets, harziges Hopfenextrakt, Bierfärbemittel, Polyvinylpyrrolidon oder auch Druckkochung bzw. Schnellvergärung bei euch eingesetzt? Wenn ja bei welchen Biersorten?

    Und wie lang ist eigentlich die Lagerung von euren Bieren und gibt es eine Übersicht über Stammwürze und Bittereinheiten?

    Mit freundlichen Grüßen

    Siehe auch:

    http://www.chemikalien.de/chemie/basf-untersttzt-weltweit-brauereien-bei-stabilisierung-und-filtration_1270.html

    https://de.wikipedia.org/wiki/Farbebier



  8. #8

    BierAthlet

    - 27.07.2012 - 09:29 · Reply to this comment

    Ich habe gestern folgende Antwort von der Vereinsbrauerei Apolda bekommen:

    Sehr geehrter Herr…,

    vielen Dank für Ihre Anfrage. Es freut gerade mich als Braumeister wenn unsere Kunden das Bier nicht nur einfach trinken sondern auch ein Interesse am Herstellungsprozeß haben.
    Den Bericht im ZDF bzw. in der Mediathek habe ich auch gesehen. Der Grundtenor des Berichts stimmt. Durch die Konzentrierung der Brauwirtschaft und das dadurch bedingten Sterben von kleinen Brauereien stirbt auch zunehmend die Biervielfalt.
    Damit verliert das Produkt Bier die regionale Heimat. Junge Menschen trinken überwiegend stark beworbene Biere aus großes Konzernbrauereien oder Billigbiere aus den Bierfabriken.
    Lediglich in Süddeutschland, insbesondere im Fränkischen ist noch im größeren Stil die Verbundenheit der Menschen mit Ihrer örtlichen, kleinen Brauerei vorhanden und glücklicherweise in und um Apolda herum.
    Leider muß man sagen das die Masse der Biertrinker immer öfter milder gehopfte Biere bevorzugt, die möglichst auch noch deutlich unter 10,00 € in der Aktion liegen sollen.
    Das führt dazu das die Biere vieler Brauereien im Bereich der Hauptsorte Pils fast alle ähnlich schmecken.
    Es wäre schön wenn der amerikanische Umschwung wieder hin zu markanteren, charaktervollen Bieren auch hier in Deutschland einziehen würde.
    Wir in der Vereinsbrauerei Apolda haben 10 verschiedene Biere und ein Radler. Da sind einige extravagante Nischenprodukte wie z.B. unser “Tradition” für den Biergenießer dabei. Aber auch unsere Hauptsorten “Spezial Dominator” und “Glocken Pils” unterscheiden sich von den Massenbieren deutlich.

    1. Wir brauen nach dem Reinheitsgebot
    2. Wir verwenden fast zu 100 % Rohstoffe aus der Region
    Thüringen/Sachsen-Anhalt
    3. Wir haben atmosphärische Kochung neuester Technik mit
    umweltfreundlicher Energierückgewinnung aus dem Abdampf
    4. Der regionale Hopfen wird von den Hopfenbauern zermahlen und gepresst als Pellets angeliefert bzw. die wertvollen Hopfenbestandteile aus dem Hopfen extrahiert. Pellets wie Extrakt stellen einen Fortschritt für Frische und Verarbeitung in den Brauereien da. Die nicht verarbeitete Hopfendolde kann bei der Lagerung verderben weshalb man heute nur noch sehr selten Doldenhopfen einsetzt. Pellets oder Extrakt sind also nichts chemisches oder gar unerlaubtes sondern qualitativer Fortschritt. Das wurde im Bericht falsch rübergebracht.
    Weizen Hell und Weizen Dunkel werden mit Pellets eingebraut, alle anderen Sorten mit Pellets und Extrakt.
    5. Die Farbe unserer Biere entsteht durch die Kombination verschiedener Malzsorten unterschiedlicher Farbe. Bierfärbemittel werden nicht eingesetzt. Die im Bericht erwähnten Bierfärbemittel sind aber ebenfalls nichts chemisches oder unerlaubtes. Ein dunkles Bier wird solange eingedampft bis man einen dickflüssigen Zustand erreicht hat.
    Dieses Farbebier kann und darf zum farbintensivieren von Bieren eingesetzt werden. Sozusagen wenig dunkles macht helles Bier z.B. bernsteinfarben.
    6. Unsere Bierwürzen werden in offenen Gärbottichen bei kalten Temperaturen sehr langsam und schonend zu Jungbier vergoren. Nach etwa einer Woche gelangt das Jungbier für 4 bis 8 Wochen zur geschmacklichen Vollendung in unsere Felsenkeller-Lagertanks bzw. in die modernen direkt gekühlten Edelstahltanks.
    Diese Art der Gärführung und Lagerung macht den extravaganteren Geschmack der Apoldaer Biere aus.
    Bei uns gibt es keine Schnellgärung.
    7. Unsere Stammwürzen liegen angefangen beim Glocken Hell mit 11,4% über 11,8% beim Glocken Pils bis hin zum Festbock mit 16,5% immer deutlich über den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestwerten. Wir machen handwerklich, ordentliche Biere mit eigener Seele und Charakter, keine glattpolierten Konsumbiere.
    Unser bittersres ist das Premium Pils mit ca. 30 Bittereinheiten. Die mildesten sind Glocken Hell und die Weizenbiere.
    8. Unsere Biere, mit Außnahme Tradition und Weizen, werden schonend nur einmal filtriert ohne Einsatz von Mitteln wie PVPP. Dadurch sind unsere Biere voller in Farbe und Geschmack, jedoch ist die Haltbarkeit auch nicht so lange wie bei den Konzerbrauern ! Apoldaer soll ja auch nicht erst 12 Monate nach Abfüllung getrunken werden, sondern möglichst frisch.

    Bier wird aus schwankenden Naturprodukten hergestellt. Der Brauer bzw. Braumeister muß durch den Brauprozeß versuchen aus unterschiedliche Rohstoffqualitäten eine gleichbleibende Produktqualität herzustellen, was bei manchen Gerstenerntequalitäten nicht immer leicht ist.

    Aktuell haben viele Brauereien mit überschäumenden Bier zu kämpfen.
    Nach Öffnen der Flasche schäumt das Bier mehr oder weniger stark aus der Flasche ohne das diese zuvor geschüttelt wurde. Dieses Phänomen nennt man “Gushing”. Es tritt alle paar Jahre wieder auf, vorallem wenn die Gerstenernte verregnet war.
    Bestimmte natürliche Stoffe auf dem Getreide stehen im Verdacht dieses Gushing zu verursachen. Die Brauereien sind weitestgehend hilflos, können nur um Verständnis bitten und hoffen das die nächste Gerstenmalzlieferung besser ist.
    Einige wenige Reklamationen dieser Art haben mich auch bezüglich unseres Glocken Hell erreicht.
    Da Sie ein interessierter Biertrinker sind wollte ich Ihnen diese Information ebenfalls zukommen lassen. Lesen Sie bitte auch den Anhang der bayerischen Kollegen dazu.

    Ich hoffe mit meinen Ausführungen Ihre Fragen beantwortet und eventuelle Bedenken zerstreut zu haben

    Mit bierigen Grüßen aus der Vereinsbrauerei Apolda

    Diplombraumeister…



  9. #9

    DAS_STROMKOPF

    - 27.07.2012 - 10:40 · Reply to this comment

    @BierAthlet: hey Bierathlet (best username ever, btw), super aktion mit dem anschreiben! unfassbar auch die antwort des braumasters, das ist echt mal ne ansage. bleibt nur noch anzumerken, dass im tv bericht auch erwähnt wurde, dass die bierfärbemittel nicht chemisch und generell alle eingesetzten mittel legal sind. aber darum ging es ja nicht, es ging darum, dass so etwas halt “schummelei” ist und dem bier die chance nimmt, einen eigenen charakter zu entwickeln. aber er schrieb ja auch dass sie sort keine färbemittel einsetzen. alles gut. müsste man das bier nur hier in Hessen auch bekommen… ;)

    ich schau mal ob ich ebenfalls mails verschicke, obwohl ich eigentlich kein lieblingsbier habe. das ist ja auch das problem, die auswahl ist in den supermärkten meiner gegend sehr begrenzt. aber das wird sich hoffentlich ändern wenn ich bald aus der stadt raus etwas weiter auf’s land ziehe, dort haben sie kurioserweise eine größere auswahl und vielleicht sogar gutes regionalbier.



  10. #10

    honki

    - 27.07.2012 - 12:22 · Reply to this comment

    @BierAthlet: Wow! Was für eine Antwort aus Apolda, toll! Gibt es einen Grund warum du ausgerechnet die Apoldaer Brauerei angeschrieben hast oder waren das die Einzigen die bislang eine Statement geschickt haben?

    Die Mail ist auf jeden Fall hochinteressant, auch wenn man zwischen den Zeilen auch erkennen kann das man hier noch etwas vom “richtigen” Bier entfernt ist (Hopfenextrakt & Pellets), aber an diesem Beispiel sieht man das sich gerade die kleineren Brauereien auf ihr Handwerk besinnen. Interessant wären da definitiv die Antworten der größeren Brauereien, aber die kann man sich ja fast schon denken.

    Ich würde mich aber auch sehr freuen wenn die deutschen Brauereien auch mit anderen Sorten wie dem Pale Ale oder den Porter/Stouts experimentieren würden oder generelle auch mal weg vom Reinheitsgebot mit neuen Zutaten experimentieren (dann dürfen sie es halt nicht Bier nennen, who cares?)



  11. #11

    Sven Geggus

    - 29.07.2012 - 23:02 · Reply to this comment

    Zu viel des Lobes für mich! Die Hausbrauereien haben die Openstreetmapper zusammengetragen, nicht ich. Ich hatte nur die Idee die Gasthausbrauereien zu erfassen und habe die Webseite gebaut um die mapper zu motivieren.

    Wo wir grade beim Bier sind, bin großer IPA fan :)

    Gruss

    Sven



  12. #12

    Sven Geggus

    - 29.07.2012 - 23:09 · Reply to this comment

    @Bierathlet: Pellets sind nichts schlimmes. Das ist gepresster Hopfen. Ich habe mein eigenes Bier bisher auch immer nur mit Pellets gebraut. Doldenhopfen steht aber definitiv auf der TODO Liste fürs nächste mal :)



  13. #13

    BierAthlet

    - 30.07.2012 - 15:20 · Reply to this comment

    Ich bin aus EF und in meinem Getraenkemarkt gibts fast alle Sorten Apoldaer Bier. Ich wollte mal was Regionales trinken und bin dadurch auf diese Brauerei gestoßen. Andere habe ich nicht angeschrieben, obwohl ich früher auch gerne Köstritzer getrunken habe. Vielleicht hole ich das noch nach.



  14. #14

    DAS_STROMKOPF

    - 31.07.2012 - 15:31 · Reply to this comment

    @BierAthlet: Köstritzer trinke ich auch gerne, da würde mich besonders interessieren ob die färbemittel benutzen. hatte auch schon überlegt da mal hin zu schreiben. bei Tschechischen schwarzbierherstellern, die ich auch gerne mag (die biere, nicht die hersteller. obwohl ich auch nichts gegen die hersteller hab… ;) ), wird das etwas schwierig, obwohl man das auch mal versuchen könnte. interessantes thema auf jeden fall! bier an sich ja sowieso… :)



  15. #15

    Bender

    - 05.08.2012 - 09:26 · Reply to this comment

    Guten morgen. Ich wollte eigentlich grad die Doku anschauen und musste feststellen, dass der Account des Uploaders auf YouTube gelöscht wurde. Hier (http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1656374/ZDFzoom-Hopfen-und-Malz-verloren%2521#/beitrag/video/1656374/ZDFzoom-Hopfen-und-Malz-verloren!) kann man die Doku noch gucken. ;) Prost.



  16. #16

    Zack

    - 08.08.2012 - 22:00 · Reply to this comment

    Also meinem Vater hat das Schönramer geschmeckt, mir nicht so. Es schmeckt aber definitiv anders als der Einheitsbrei den es so im Supermarkt gibt.

    Ich bin aber auch nicht so der Biertrinker,
    hatte halt gehofft das ich eins finde das auch mir schmeckt.

    So muss ich auf den Winter warten, bis ich mir das Weizen Doppelbock kaufen kann.




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