17.07.2012 8

»Erlebnisbrauerei Watzdorf« — Thüringer Brauereien II

Vom Erlebnis des vollautomatisierten Brautums

Die Erlebnisbrauerei Watzdorf ist heute eine mittelständische Brauerei, die auf über 600 Jahre Geschichte und Brautradition zurückblicken kann und somit zu den ältesten noch aktiven deutschen Brauereien zählt. In diesem zweiten Teil meines Fotoprojektes »Thüringer Brauereien«, welches im Rahmen meiner Bewerbungsmappe für ein Designstudium entstand, möchte ich euch einen kleinen Einblick in eine moderne Brauerei geben, die 1997 fast von Grund auf neu errichtet wurde und heute nach den höchsten Standards Bier braut.

Dass ich die Brauerei Watzdorf gerne fotografieren möchte stand eigentlich von Anfang an für mich fest. Keine 3 km von meinem Wohnort entfernt liegt sie quasi in Laufentfernung und schon immer wollte ich einmal die Brauhallen besichtigen, die sich nach außen so groß als »Erlebnisbraurei« anpreisen und an denen ich schon so oft vorbei gefahren bin, selbst aber noch nie einen Rundgang mit machte.

Nach einem schnell hergestellten Kontakt mit dem Sekretariat und der Geschäftsleitung hatte ich dann auch die Möglichkeit bekommen, die Örtlichkeiten bei einer Führung zusammen mit einer Besuchergruppe kennen zu lernen, um mir vorab schon mal ein Bild machen zu können. Ich erlebte eine sehr moderne Brauerei, in der an Besuchertagen nicht gebraut wird und in der, von der großen Brautradition, leider nur ein Schauraum eines klassischen Sudhauses erhalten blieb und ein etwas lieblos zusammengestelltes Brauereimuseum, während der Rest der Brauerei sich im kühlen Edelstahl-Look präsentierte. Ich merkte recht schnell dass ich meine klassische Vorstellung einer Brauerei anpassen musste um mich diesen Motiven richtig anzunähern.

Ich vereinbarte einen weiteren Termin an dem ich einen ganzen Tag lang in den Produktionsräumen verbringen durfte, dieses Mal ohne Besuchergruppe dafür während der laufenden Produktion.

Es war an jenem Tag schon ein Erlebnis. So ganz allein, ohne Gruppe und Führer, in diesen großen Räumen zwischen abertausenden Litern Bier. Dieser faszinierende Blick auf hunderte von Meter Edelstahlrohr, die eine Station des Brauprozesses mit dem Nächsten verbanden, riesige, mehrere zehntausend Liter fassende Tanks und Filteranlagen (oben zu sehen) und dieses Zischen und allgegenwärtige leise Rauschen der laufenden Maschinerie.

Zwischen all den großen Dingen, gab es aber auch viele kleine Details zu entdecken, wie zum Beispiel das Gerippe eines Würzekühlers (oben links) in dem die kochend heiße Bierwürze wieder abgekühlt wird oder diesen Flansch (oben rechts) eines 25.000 Liter fassenden Tanks, der mich so freundlich angrinste. Besonders beeindruckt haben mich aber die Rohrsysteme, wie vor diesen Hefetanks (unten links) und jene minimalistische Farbgebung der Funktionselemente (blau) und Infoschilder (gelb), die man in der kompletten Braustrecke wieder fand.

Als großen Gegensatz dazu erlebte ich die Abfüllung, die in in einem extra Gebäude statt findet, in dem eine gewaltige Bierflaschenwaschanlage alte Pfandflaschen mit Lauge und kochendem Wasser reinigt, anschließend mit Bier befüllt, einem Verschluss versieht, etikettiert und in Kästen einsortiert — alles in einem Arbeitsgang. Ein Höllenlärm. Es roch nach Lauge und im Gegensatz zur Braustrecke waren hier einige Leute beschäftigt die Maschine zu überwachen und das Bier ins angeschlossene Lager zu bringen.

Es gibt über diese Brauerei und das Bierbrauen an sich echt unglaublich viel zu erzählen, soviel dass ich es kaum in einem Posting alles unterbringen kann. Wer noch mehr sehen möchte der kann sich gerne noch meine Flickr-Galerie ansehen. Oder ihr schaut am Besten mal vor Ort vorbei.

An der Stelle möchte ich mich für die freundliche Unterstützung bei Frau Linke und dem Geschäftsführer Herrn Hoffmann bedanken, die es mir ermöglichten die Watzdorfer Brauerei zu portraitieren.

Wer sich für das technische interessiert: alle Bilder habe ich mit einer Pentax K-10 geschossen und einem 10-20mm f3.5-5.6 Ultraweitwinkel von Sigma sowie einem alten 50mm f1.7 Pentax-Objektiv. Das Bild der Filtertanks oben ist aus 9 Aufnahmen zu einem Panorama zusammengefügt worden.

Im dritten und vorerst letzten Teil folgen dann meine Fotos aus der kleinsten Privatbrauerei Thüringens, der Brauerei Schmitt.

Bisher veröffentlicht:
»Ehemalige Pörzbrauerei Rudolstadt« — Thüringer Brauereien I




5 Kommentare


  1. #1

    Kotzendes Einhorn

    - 17.07.2012 - 22:25 · Reply to this comment

    Voll gut!



  2. #2

    Damian

    - 18.07.2012 - 06:33 · Reply to this comment

    Cool, sehr schick. Kompliment. Ich wusste gar nicht, dass du des Fotografierens mächtig bist.



  3. #3

    MasturBier

    - 20.07.2012 - 16:52 · Reply to this comment

    Ich hab letztens auf ZDF folgende Reportage gesehen:

    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1656374/ZDFzoom:-Hopfen-und-Malz-verloren!?flash=off

    welche schon ein recht düsteres Bild des deutschen Bieres gezeigt hat.



  4. #4

    honki

    - 20.07.2012 - 16:58 · Reply to this comment

    @MasturBier: Super link! Danke dir! Aber es stimmt, das deutsche Bier hat ein Problem. Hart ausgedrückt ist es das deutsche Reinheitsgebot, dass zu stark reglementiert. Klar sichert es eine hohe Qualität, aber sorgt auch für ebenso wenig Kreativität beim Bierbrauen.



  5. #5

    Klaus Guenther

    - 12.07.2014 - 10:18 · Reply to this comment

    Misterhonk hat keine Ahnung von Tration. Mit so einer Bewerbung würdest du hochkantig bei mir rausfliegen. Ja klar wenn man die Brauerei nicht kenn,kommen nur halbheiten raus. Du solltest dich mal mit Zeitzeugen unterhalten. Nur ein Tipp: Fassabfüllung,
    Pechanlage, usw. Kannste ja nicht wissen ist jetzt Parkplatz. Ach so: Ich war vor 40 jahren Mechaniker in der Abfüllung. Also das nächste mal besser machen.



3 Webseiten die auf diesen Beitrag verlinken

  • ZDF-Reportage: »Hopfen und Malz verloren« : misterhonk.de

    [...] Deutsches Bier hat ein Problem. Es ist nicht mehr das beste Bier der Welt. Das ZDF ist dieser Aussage einmal nachgegangen hat diese sehr interessante Reportage über die Entwicklung des deutschen Bieres produziert, die sich vor allem mit der sinkenden Originialität und Qualität des deutschen Bieres auseinandersetzt, der explodierenden amerikanischen Craftbeer-Szene und wie das deutsche Reinheitsgebot zu einem Problem geworden ist. ZDFzoom: Hopfen und Malz verloren via M***bier aus meinen Kommentaren [...]

  • »Museumsbrauerei Schmitt, Singen« — Thüringer Brauereien III : misterhonk.de

    [...] Brauens geben können, angefangen bei meinem Besuch der ehemaligen Pörzbrauerei Rudolstadt und der Erlebnisbrauerei Watzdorf, doch die für mich schönste Fototour möchte ich euch gerne heute zeigen: meinen Besuch in der [...]

  • Gesammelte Bier-Links | Ja gut, aber …

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