Yours Truly in Utrecht. Samstag.

Anderthalb Tage Utrecht. Eine Stadt mit fast 2000 Jahren Geschichte und einem historischen Stadtkern der einen auf den Pfaden der Römer, der Hanse, religiösen Orden, eines Papstes und dem Trümmerfeld eines Tornados wandeln lässt.

Über 32 Kirchen, deren Größte, der Utrechter Dom, mir mit seinen 112m und 465 Turmstufen den Atem raubte und anschließend den besten Blick auf die Niederlande lieferte. In einer ehemaligen Schlupfkirche von den leckersten Bieren Belgiens gekostet, dazu viertelstündlich den Klängen des Utrechter Carillions gelauscht, Hand angelegt an eines der mächtigsten Glockengeläute Europas und das alles während einer Wettersituation die man im Norden als “erhöhte Luftfeuchtigkeit” bezeichnen würde. Hier nun also mein Bericht von der Anreise und dem ersten Tag in dieser hübschen Stadt.


Wie ich ja letzte Woche kurz angekündigt habe wurde ich zu einem Kurztrip ins niederländische Utrecht eingeladen, eine Reise die für mich am frühen Samstag Morgen von Saalfeld nach Nürnberg an den Flughafen führte, von wo aus ich 12:20 Uhr Ortszeit nach Amsterdam geflogen bin. Dort mit leichter Verspätung angekommen (vor dem Flugzeug sind zwei Gepäckfahrzeuge ineinander gefahren) fühlte ich mich förmlich erschlagen ob der Dimension des Flughafens Schipol Amsterdam und organisierte mir am nach einer etwas schwierigen Konversation mit zwei älteren Damen am Bahnschalter zwei Tickets für Hin- und Rückfahrt nach Utrecht, welche mit je 8,20€ für knapp 30 Minuten im ICE ein echtes Schnäppchen waren!

Am Bahngleis 2 nach Utrecht dann auch gleich der erste Schock: Ich hatte meinen Zug wohl soeben verpasst. Ein kurzer Blick auf den Fahrplan sagte mir 30 Minuten Wartezeit voraus. Shit. Die für 16 Uhr angesetzte Stadtführung würde ich dann wohl verpassen. Nach ca. 10 Minuten warten erklang eine Durchsage die die Worte “No Train to will run today” enthielt, irgendwas mit technischen Issues. F***! In völliger Schockstarre blieb ich einfach erstmal stehen. Plötzlich tauchte dann doch noch ein ICE auf, in den ich sofort einsprang in der Hoffnung er würde mich nach Utrecht bringen. Was er zum Glück auch tat.

Nach einer kleinen Odysee durch den Bahnhof Utrechts und den Stadtkern dann endlich mein Hotel, das Apollo City Centre, gefunden, eingecheckt, geduscht und sofort wieder runter um mich mit meinem Guide René zu treffen, der vom Typ an den späten Dustin Hoffman erinnerte.


Er führte mich in knapp zwei Stunden auf äußerst charmante und ruhige Weise durch die Stadt und berichtete mir von der Geschichte der Grachten, die den Rhein durch die Innenstadt leiten, an denen sich seiner Zeit zahlreiche Handels- und Warenhäuser wie das Winkel van Sinkel niedergelassen hatten und Utrecht zu einer der Handelsmacht der frühen Neuzeit aufstiegen ließ.  Heute finden sich dort die prächtigsten, angesagtesten und besten Cafés, Restaurant, Bars und zahlreiche Shoppingmöglichkeiten, die die Oudegracht heute zur pulsierenden Lebensader Utrechts haben werden lassen. Weiterhin führte er mich natürlich zu dem Wahrzeichen der Stadt, dem Dom, dessen Geschichte ich aber gerne im nächsten Beitrag etwas ausführlicher erzählen möchte, sowie in zahlreiche der versteckten sogenannten “Schlupfkirchen”, die über die ganze Stadt verteilt sind und von außen nicht zu erkennen. Insgesamt kann ich jedem eine solche private Tour empfehlen, da man deutlich mehr über Stadt erfährt und zu sehen bekommt, als mit einer normalen Reisegruppe.

Übrigens sollte man in Utrecht häufiger mal einen Blick auf den Boden anstatt in die Luft werfen, da an zahlreichen Plätzen innerhalb der Stadt noch die Grundrisse und Mauern teilweise zerstörter Bauten zu sehen sind und die Geschichte dieser Stadt nachhaltig konserviert haben.

Abschluss der Tour (circa 18.30 Uhr) bildete ein kleines Bierchen (La Chouffe Blond) bei Olivier, einem belgischen Bier Café, dem ich am liebsten einen eigenen Beitrag widmen möchte: schließlich gibt es dort nicht nur feinste belgische Küche in dem einmaligen Ambiente der Maria Minor Kirche, sondern auch mehr als drei dutzend belgische Biersorten verschiedenster Marken (hier mal die Bierkarte) die begleitend zu jedem Menü gereicht werden. Als mich René dann nach einem tollen Gespräch über Dialekte, Religion, Bier und Reisen verabschiedete beschloss ich zurück ins Hotel zu gehen, mich frisch zu machen und eines der mir empfohlenen Restaurants aufzusuchen.


Leider hatte ich an diesem Abend nicht sehr viel Glück und wurde sowohl im De Markt, Straks und einigen weiteren Restaurants vertröstet, da man wohl keinen freien Platz mehr für mich hatte. Ein sicherer Indiz dafür dass die Läden wohl wirklich gut sind, und eben das man dringend eine Reservierung haben sollte, was ich leider nicht erledigen konnte, aufgrund der viel zu knappen Zeit. Gute zwei Stunden später, es war bereits kurz nach 21 Uhr habe ich dann doch noch einen Platz im Den Draek bekommen, einem urtümlichen Restaurant an der Oudegracht, wo ich mir ein Steak nach Art des Hauses in einer Honig-Thymian Sauce (sehr lekker!) mit belgischen Fritten schmecken ließ und nach kurzem Plausch mit einer karibischen Schönheit, die dort als Bedienung arbeitete, meinen weiteren Weg suchte der mich entlang der Oudegracht in das beeindruckende Grand Café Winksel van Sinkel führte, in dem ich noch einige Bierchen zu zischte, die aber nicht weiter der Rede wert wären (Jupiler, Brand und Wieckse Witte) und dabei zusah wie sich das Cafe langsam in eine Tango Bar für diesen Abend verwandelte.


Ich ließ den Abend dann gemütlich auf meinem Zimmer enden da mein Körper nach 36h auf den Beinen doch dringend Schlaf brauchte und ich für den langen Sonntag fit sein wollte. Mein Zimmer, als “Executive Room” bezeichnet, war übrigens sehr hübsch, sauber und modern eingerichtet wie ihr auf den zwei Bildern sehen könnt und auch der Blick aus dem Fenster auf den Utrechter Dom macht sofort Lust auf mehr.

Ja, das war im Groben und Ganzen der Samstag. Hier fehlen bestimmt noch einige Sachen, die ich im Zweifel gerne noch in den Kommentaren nachreiche. Manchmal fallen einem ja noch so kleine Details auf. Was ich am Sonntag (und das war bedeutend mehr) angesehen und vor allem geschmaust habe, erfahrt ihr dann im nächsten Beitrag. (bald) ;D

Weitere Infos zu den Niederlanden an sich könnt ihr euch auf niederlande.de holen bzw. auf Facebook und Twitter sowie dem Holland Blog, der auch über meine Reise berichten wird. Die Reise selbst wurde mir vom Niederländischen Büro für Tourismus & Convention gesponsert. Dankeschön dafür!


honki · 11.10.2011 Travel, , ,


5 Kommentare

  1. #1

    Marco

    - 11.10.2011 - 23:24 · Reply to this comment

    Dein Zimmer ist echt schön… beneidenswert :D


  2. #2

    honki

    - 11.10.2011 - 23:27 · Reply to this comment

    @Marco: aber man hat auch sachen gehört. türen vor allem. und das glockenspiel des doms. dazu später mehr, der ist echt krass dieser dom. hab gehört chuck norris war auch beteiligt … 1674 rum ;D


  3. #3

    GroteskeAder

    - 12.10.2011 - 07:49 · Reply to this comment

    Ich weiß jetzt, wo ich mit meiner Kleinen einen Kurzurlaub machen werde…
    ;)


  4. #4

    honki

    - 12.10.2011 - 11:15 · Reply to this comment

    @GroteskeAder: Kleiner Tipp dazu, wenn möglich immer am ersten Wochenende des Monats vorbeischauen, dann ist dort Offener Sonntag und die ganze Innenstadt ist auf Achse :)


  5. #5

    Steve

    - 25.10.2011 - 15:42 · Reply to this comment

    super!
    unabhängig von diesem Blog habe ich für Anfang nächsten Monats ein Zimmer im Apollo gebucht !!
    Freue mich jetzt ganz besonders drauf ….



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