Southside 2009 Revué
Das Southside hatte es dieses Jahr wirklich nicht leicht einen erneut so vom Hocker zu reißen wie es das vergangene Jahr fast schon mit Leichtigkeit geschafft hat – aber soviel sei verraten, irgendwie hat es doch geklappt.
Das Lineup war wie immer bunt gemischt und hat nahezu jeden Musikgeschmack befriedigen können. Es gab Punk, Indie, Britpop, Hiphop, Reggea, Hardcore, Elektronik, Techno, Industrial, einfach alles. Das ist auch einer der Aspekte der mich wieder zum Southside gezogen hat. Aber fangen wir erstmal langsam an.
Donnerstag - Ein besonderer Tag, denn es ist Anreisetag. Man ist noch in Gedanken bei all dem was man vergessen hat mitzunehmen und lässt sich während der Autofahrt schön mit einer selbst zusammengestellten Compilation der besten Acts die zum Festival kommen werden berieseln. Glücklicherweise kam dieses Jahr noch hinzu, das der Wettergott es gut mit uns meinte und uns bei 25°C und ein paar Wölkchen am Himmel bis nach Tuttlingen trug.
Dort traf uns dann auch der erste Schlag, als wir sahen wie viele Leute schon angereist waren und bereits anstanden. Was wir zu dem Zeitpunkt noch nicht wussten, das diese vielen Leute alle an dem einzigen Einlass standen der für das Festival vorgesehen war, im Gegensatz zu den 2 letztes Jahr. Das bedeutete nun für uns, uns in einer schier endlosen Menschenschlange anzustellen um nach 3 endlosen Stunden endlich unsere Bändchen in den Händen zu halten und anschließend mit Sack und Pack einreiten zu können.
Freitag - Ja am Freitag hat sich dann gezeigt das das Southside auch nur ein Festival ist wie jedes Andere und keine Schönwetter Garantie hat – leider. Denn es wurde kalt und hat begonnen nahezu den ganzen Tag zu regnen. Das nimmt einem natürlich erstmal die Freude und man ist geneigt ein Schlückchen mehr zu trinken. Musikalisch stand Freitag bei uns nicht soviel auf dem Programm, sodass wir uns gepflegt der Hauptbühne gewidmet hatten und uns zu erst Lily Allen, die Pop Rebellin aus England, angesehen haben. Im Prinzip ein ganz netter Auftritt von einer netten Person, die auf der Bühne raucht (REBELL!). Wirklich vom Hocker gehauen hat mich das aber nicht. Im Anschluss an dieses Konzert hatte ich für unsere Truppe ein kleines Bonbon ergatttert – 4 Plätze auf dem Jägermeister Hochsitz! Kennste nich? Gleich schon.
Der Jägermeister Hochsitz ist nicht anderes als riesige Bar die an einem Kran hängt und seine Gäste in 50m Höhe über die Köpfe der Festivalbesucher zieht. In luftiger Höhe darf man noch einen kurzen Jägi-Energy zischen und die gute Aussicht genießen. Macht ordentlich was her, sieht spektakulär aus, nur zu Trinken bekommt man da oben leider nicht viel. Bleibt aber trotzdem ein Erlebnis und vor allem der Blick auf das komplette Festivalgelände in 50m Höhe ist schon verdammt genial und somit doch ein kleiner Höhepunkt.
Ein derben Tiefpunkt hatte ich allerdings kurz nachdem meine Füße wieder den Boden berührt hatten, als ich dachte mein Portemonaisse verloren zu haben (mit einem nicht unbeträchtlichen Betrag an Bargeld darin). Zum Glück war nur mein Gedächtnis nicht in der Lage sich zu merken das ich eine so geheime Geheimtasche in meiner Jacke habe, das ich nicht mehr mitkriege wenn ich etwas dort hinein gesteckt habe. Die Geldbörse somit wieder am Mann gehabt und die Stimmung war wieder oben angekommen. Darauf gleich mal ne Runde Becks geschmießen und beim Clueso vorbeigeschaut, als Thüringer unter 10.000nden Schwaben waren wir uns das einfach schuldig.
Im Anschluss gleich wieder zur Main Stage und auf Fettes Brot gewartet, die auch gleich die Sonne mitbrachten und bei einem traumhaften Sonnenuntergang den Abend einleiteten. In bester Hamburger Manier ordentlich das Haus gerockt und sowohl die alten Kamellen als auch die neuen Kracher gebracht. Lediglich “Bettina” in einer gitarrenlastigen Version klang schon etwas schräg. Großes Finale war natürlich wieder das altbekannte Nordisch by Nature Medley in dem dieses Mal Mando Diao (Dance with Me) und die Ärzte durch den Kakao gezogen wurden. Die drei alten Männer aus Berlin AUS BERLIN! haben im Anschluss für diesen Abend den krönenden Abschluss als Headliner feiern dürfen. Und was für einer!
Auch wenn man Bela, Farin und Rod mittlerweile schon die Jahre ansieht die sie hinter sich haben, haben sie es sich nicht nehmen lassen ein furioses Konzert zu spielen. Nach dem eher mauen Auftritt letztes Jahr beim Highfield (zuviel Jazz) haben sie dieses Jahr ordentlich in die Tasten gehauen und vor allem die alten Klassiker ausgepackt (Ich ess Blumen, Friedenspanzer, Zu Spät, Schrei nach Liebe, und und und…). Abschluss des Konzertes war dann wieder einmal die Becherwurfaktion für Viva con Agua, bei der alle Festivalbesucher vor der Bühne angehalten waren ihre Becher vor auf die Bühne zu werfen, um damit in hilfsbedürftigen Ländern Wasserversorgung aufzubauen. Abertausende von Bechern sind anschließend fast 10 Minuten lang auf die Bühne geflogen und man kann diese Aktion somit getrost als vollen Erfolg verbuchen. Im Anschluss daran konnte man sich bei Nick Cave oder Friendly Fire noch den passenden Abschluss für den Abend holen.
Samstag war dann allerdings vollgepackt mit tausend tollen Sachen die man so sehen und hören kann, unsere Wahl fiel zu erst auf The Sounds, die alten Schweinerocker aus Schweden, um uns anschließend bei Gogol Bordello, ordentlich eins auf die Mütze zu geben. Für mich auch einer der schönsten Momente, da das Publikum wirklich losgelöst gefeiert hat und wir mit unserer ganzen Meute mal zusammen waren. Für eine kleine Meinungsbildung hab ich auch ein verwackeltes Video vom Pogo in HD gemacht, bitteschön:
http://www.youtube.com/watch?v=GMZSz7Z18NA PogoMitGogol
Im Anschluss hatten wir die Qual der Wahl gehabt, Editors oder Anti-Flag/Eagles of Death Metal. Entscheidung war für Editors gefallen. Eine sehr gute Band, deren hoher musikalischer Anspruch allerdings schwer zu verdauen ist, wenn man gerade von der besten Party des Festivals kommt.
Nach einer kurzen Zeltpause dann wieder am Start zu Kings Of Leon gewesen. Wenn ich bedenke das ich die Kerle vor 3 oder 4 Jahren noch auf dem Highfield als Samstag Nachmittag Band gesehen habe und sie nun als Headliner auf dieser Riesenbühne da sehe, bleibt mir schon ein Kloß im Hals stecken. Was die vier Followil Brüder in den letzten Jahren geschafft haben ist wirklich mehr als beeindruckend, nicht zuletzt aufgrund der unglaublichen Stimme von Sänger Caleb. Imponiert hat mir vor allem das es die vier geschafft haben für den Abend eine Mischung zu finden bei der sie Titel von allen vier bisher veröffentlichten Alben spielten. Publikumshit waren natürlich wie zu erwarten die Titel Sex on Fire und Use Somebody vom neuen Album, bei denen man fast umgehend Gänsehaut bekam. Hier ein kleines Video von Sex On Fire mit Mitsinganteil.
http://www.youtube.com/watch?v=lkshTb9OBLA KingsOfLeonSexOnFire
Am Sonntag hatte man frühs fast gedacht man traut seinen Augen kaum, es war warm, sonnig, und der Schlamm der die letzten Tage alle Wege nahezu ungehbar macht wurde endlich trocken. Bei schönstem Sonnenschein also schnell aufs Festivalgelände und die wirklich fabelhaften The Rakes angesehen, die nach Meinung vieler, eigentlich viel zu früh gespielt haben. Gleich danach weiter gehottet mit den Blood Red Shoes, die ich bislang auch nocht nicht gesehen hatte, aber mich wirklich positiv überrascht haben, wie gut eine Band klingen kann die nur aus 2 Menschen besteht. Anschließend noch die Ting-Tings mit ihrem unverwechselbarem Sound, geprägt durch Sängerin Katie White, die die Massen bei “Thats Not My Name” in Wallung brachte. Im Anschluss mit Katy Perry ein wenig Pop Glamour abgeholt um sich kurz darauf das Trommelfell bei Mars Volta bürsten zu lassen. Pixies und Duffy dann leider nicht mehr gesehen, aber wieder bei Social Distortion am Start gewesen. Wirklich wunderbarer Punk, der einem alles bietet was das Herz begehrt, bitte unbedingt mal ansehen falls noch nicht geschehen.
Nicht so schön war allerdings die herbeiziehende Gewitterfront, die so dermaßen schaurig und düster war, das man instinktiv immer schon einen regensicheren Platz im Auge hatte. Mit Beginn des Regens haben sich auch viele Festivalbesucher schon frühzeitig verabschiedet was zur Folge hatte, das beim Abschlusskonzert von Faith No More, Kraftwerk und Tomte nicht mehr allzuviele Menschen da waren.
Ich hab mich ja tierisch gefreut auf Faith No More, als Vorreiter des Crossover Sounds. Der Sound ist auch immer noch überwältigend und sehr verspielt. Einzig und allein Sänger Mike Patton, sah etwas aufgequollen und mitgenommen von den letzten Jahren aus. Das änderte aber nichts an seiner Performance, auf die ich mich besonders zum Highfield freue, wenn dann hoffentlich besseres Wetter ist.

Ja das wars im Prinzip vom Southside 2009 - Abschließend möchte ich gerne auf die Frage eingehen, warum man sich das eigentlich antut. Man gibt über hundert Euro aus für ein Ticket, hat eine lange Anfahrt vor sich, schleppt sich fast kaputt, zeltet bei miesem Wetter und klirrender Kälte irgendwo in der Pampa, kippt sich die ganze Zeit Dosenbier rein, ernährt sich von Ravioli und bezahlt Unmengen für Essen und Trinken auf dem Gelände, aber genau das ist es! Ein Festival lebt von seinen Momenten, von seinem Wetter, von seinen Bands und vor allem von seinem Publikum. Mir geht es mittlerweile so das ich eigentlich auf fast jedes Festival gehen könnte, da mich die Musik fast weniger interessiert als das ganze Schauspiel rund herum. Es gibt so viele Emotionen und Eindrücke die man auf einem solchen Festival gewinnt, welche man im normalen Leben niemals finden könnte. Auf einem Festival kam sich wirklich frei fühlen und auch so bewegen. Niemand kennt einen, du kannst dich kleiden und benehmen wie du willst, du musst dich nicht waschen und kannst deine Ernährung so auslegen wie du es für richtig hälst. Du hast deine Freunde um dich und kannst alle Höhe- und Tiefpunkt mit Ihnen zusammen durchleben. Jeder lebt für den Moment -und das ist unbezahlbar. Also Leute, bleibt euch treu und schaut mal auf nem Festival vorbei. Ich kann es euch nur ans Herz legen.
Alle Fotos findet ihr bei Flickr
P.S. Bitte verzeiht wenn ich nicht alles unterbekommen habe, aber ich wollte den Text nicht länger machen, als er es schon ohnehin ist.










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3 Kommentare
Maxi
- 26.06.2009 - 07:34 ·Also deine Beschreibung, warum wir auf Festivals gehen war das beste! Besser hätte ich es nicht sagen können!
Adri
- 28.06.2009 - 02:17 ·…eine helle Freude dies zu lesen, du verstehst wahrlich etwas davon attraktiv zu schreiben! Freu mich nun um so mehr aufs Highfield!! Du hörst von mir… Gruß aus Jena
alice hive
- 09.07.2009 - 13:24 ·Das Southside-Line-Up ist nicht wirklich mein Ding. Dafür hab ich erst gestern einen Bericht über Rock im Park 09 veröffentlicht.
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